Das Projekt Grenzgebiete

Jugendliche sind im Vergleich zu anderen Altersgruppen am häufigsten von sexuellen Übergriffen betroffen. Die damit zusammenhängenden Themen hat die Landesstelle Jugendschutz im Projekt „GRENZGEBIETE – Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen“ bearbeitet. Das Projekt ist abgeschlossen.

Eigene Grenzen kennen, sie selbstbewusst verteidigen und die Grenzen anderer respektieren – um das zu lernen, brauchen Jugendliche Anregungen und Vorbilder. Methoden und Materialien dafür hat die LJS im Projekt Grenzgebiete erarbeitet und in verschiedenen Fortbildungen vermittelt.

Informationen zum aktuellen Fortbildungsprogramm der LJS finden Sie hier:
http://www.jugendschutz-niedersachsen.de/seminare/download-seminarplan/

frederik_boogFrederik Boog
Dipl. Pädagoge

Arbeitsschwerpunkte: Prävention von sexualisierter Gewalt, Präventionsstrukturen in der Jugendverbandsarbeit, Teamentwicklung, Erlebnispädagogik , Moderation & Training, Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen.


christine_eichholzChristine Eichholz
Freiberufliche Theaterpädagogin, Schauspielerin und Trainerin

Arbeitsschwerpunkte: Gewaltprävention, Präventionsarbeit gegen sexuellen Missbrauch, Cybermobbing, rechtsextremistische Gewalt, Körpersprachetrainings, Persönlichkeitsentwicklung, Improvisationstheater.


Petra Furmanek
Dipl. Sozialpädagogin / -arbeiterin, Systemische Beraterin

Arbeitsschwerpunkte: Kinder- und Jugendschutz, Einschätzung Kindeswohlgefährdung, Krisenintervention, sexuelle Gewalt, häusliche Gewalt, Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.


team_dummyAntonius Geers
Dipl. Sozialarbeiter/ -pädagoge, Sexualpädagoge
Weiterbildung systemischer Berater 2015

Arbeitsschwerpunkte: Sexualpädagogik mit allen Altersgruppen, Beratung von Männern und (werdenden) Vätern, Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung. Fortbildungen für Fachkräfte zu sexueller Bildung / Sexualpädagogik.


team_dummyHeidemarie Glaser


andrea_hanheideAndrea Hanheide
Freiberufliche Theaterpädagogin, Schauspiel und Coaching

Arbeitsschwerpunkte: Präventionsarbeit zu den Themen sexueller Missbrauch, Gewalt, Sucht und Cybermobbing. Coaching im Bereich Persönlichkeitsentwicklung.


Tanja Opitz
Referentin für Sexualpädagogik bei der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen
Magisterabschluss in Germanistik und Erziehungswissenschaften

Arbeitsschwerpunkte: Präventionsprojekte mit Mädchen und Jungen zu Medien- und Sexualität, Pornografie und Jugendsexualität, sexuelle Vielfalt, Aidsprävention


karin_schlueterKarin Schlüter
Diplom -Sozialpädagogin, Familientherapeutin

Arbeitsschwerpunkte: Fortbildungen für Fachkräfte zu sexueller Bildung / Sexualpädagogik. Prävention von sexualisierter Gewalt, Paar und Sexualberatung, Schwangeren und Schwangerschaftskonfliktberatung.


alp_turanAlp Turan
Dipl. Sozialarbeiter, Systemischer Berater, Master of Social Management

Arbeitsschwerpunkte: Prävention gegen sexuelle Gewalt, Kommunikations- und Konflikttraining für Kinder und Jugendliche, Prozessbegleitung in Institutionen

 

 

eintritt_ins_glueck

Von 2011 bis 2013 hat die Landesstelle Jugendschutz mit der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück (tpw) an über 100 Orten in Niedersachen ein Präventionsprojekt für Jugendliche durchgeführt. Im Zentrum stand das Theaterstück „EinTritt ins Glück“, das an verschiedenen Schulen in Niedersachsen aufgeführt und bearbeitet wurde.

Ergänzend dazu fanden Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte an den Projektstandorten statt. Hier wurden neben Hintergrundinformationen und Handlungsperspektiven auch Methoden für die Arbeit zum Thema vermittelt.

>> Theaterprogramm: “EinTritt in Glück”

>> Interview mit Anna Pallas (PDF)

Forschungsergebnisse

Sexuelle Grenzüberschreitungen und Gewalt in Liebesbeziehungen und Dates sind keine Ausnahme. Nur wenige Jugendliche wenden sich nach derartigen Erlebnissen an Erwachsene.

  • Nach einer repräsentativen Befragung von Jugendlichen in der Schweiz haben ca. 15 % der befragten Schülerinnen und Schüler schon einmal sexuelle Übergriffe mit Körperkontakt erlebt.  Mädchen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Jungen. Wenn die Betroffenen über die Vorfälle reden, ziehen sie gleichaltrige Freunde oder Familienmitglieder ins Vertrauen. An Beratungsstellen wenden sich die wenigsten.
    Link zur Studie:
    www.optimusstudy.org/fileadmin/user_upload/documents/Booklet_Schweiz/Optimus_Studie_Broschuere_2012_d.pdf
  • Ein Forschungsprojekt an der Hochschule Fulda im Jahr 2012/2013 mit 462 Schülerinnen und Schülern hat gezeigt, dass zwei Drittel der 14- bis 17-Jährigen, die Beziehungserfahrungen hatten, mindestens einmal grenzverletzendes Verhalten und Übergriffe durch einen Partner oder eine Partnerin erlebt haben: Etwa drei Viertel der betroffenen Mädchen und ungefähr die Hälfte der betroffenen Jungen gaben an, dass Grenzverletzungen und Übergriffe sich negativ auf ihr Befinden ausgewirkt haben. Sie berichteten über Lernschwierigkeiten, verändertes Ess- und Trinkverhalten, sozialen Rückzug oder Ängste. Hilfe würden sich Jugendliche auch dieser Befragung zufolge eher bei Freundinnen und Freunden holen als bei Eltern oder Geschwistern. Professionelle Beratungseinrichtungen werden selten als Unterstützungsoption genannt.
    www.fh-fulda.de/fileadmin/Fachbereich_PG/Forschung___Praxis/TeDaVi_factsheet_fin.pdf

Prävention: Aufklärung, Orientierung, Schutz

In der Präventionsarbeit sollten die Erkenntnisse aus der Forschung eine wichtige Rolle spielen:

Sexuelle Belästigungen und Übergriffe geschehen bei vielen Beziehungen und Dates unter Jugendlichen.

  • In vielen Fällen gehen die Übergriffe von (männlichen) Freunden und Bekannten aus.
  • Die meisten betroffenen Jugendlichen verschweigen die Übergriffe.
  • Für diejenigen, die sich jemandem anvertrauen, sind vor allem Gleichaltrige die Ansprechpartner.

Cliquen, Flirts und Dates, erste Beziehungserfahrungen und sexuelle Kontakte sind für Mädchen und Jungen prägend. Sie stellen eine wichtige Ressource für die Identität und das Selbstwertgefühl dar. Wenn Jugendliche sich in neuen Rollen und Situationen erleben, führt dies auch zu einer Auseinandersetzung mit ihren Grenzen – und den Grenzen anderer. Fehleinschätzungen und Missverständnisse, versehentliche oder vorsätzliche Grenzüberschreitungen sind ein Teil dieses Prozesses der Selbsterprobung.

Wenn Jugendliche unsicher im Hinblick auf die Wahrnehmung und Einordnung von Grenzverletzungen sind, brauchen sie Orientierungshilfen. Erwachsene, die Normen zu Sexualität und Gewaltfreiheit verdeutlichen und Grenzen markieren, können hier eine wichtige Rolle spielen. In der Präventionsarbeit mit Jugendlichen geht es zuerst darum, eine  Balance zu finden zwischen der Akzeptanz von alterstypischem (Risiko-)Verhalten und dem Schutz vor Verletzungen.

Die Fortbildungsreihe „Grenzgebiete“ unterstützt Fachkräfte in diesem Prozess.

Unterstützung und Hilfe für Jugendliche

Wenn Jugendliche nicht über sexuelle Übergriffe sprechen, haben sie ihre Gründe: Sie wollen sich nicht als „Opfer“ outen, sie befürchten Druck und Aggressionen seitens der Täter oder den Ausschluss aus der Clique. Viele sind nicht sicher, wie Erwachsene reagieren und haben Angst vor Sanktionen.

Doch wer Gewalterfahrungen verschweigt, erlebt keine Entlastung von Scham- und Schuldgefühlen. Ddie Täter können sich zu weiteren Übergriffen ermuntert fühlen, und wenn es einmal zu sexueller Gewalt gekommen ist, steigt das Risiko für erneute Übergriffe.

Wenn Erwachsene von einem sexuellen Übergriff unter Jugendlichen erfahren, sollten sie:

  • Jugendliche ernstnehmen, wenn sie von dem Übergriff berichten;
  • erklären, dass die Verantwortung für Übergriffe beim Täter und nicht bei dem betroffenen Mädchen oder Jungen liegt;
  • nicht über den Kopf der Betroffenen hinweg entscheiden und handeln;
  • für Unterstützung  durch eine spezialisierte Beratungsstelle sorgen.

Broschüren und Arbeitsmaterialien

Grenzgebiete – Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen. Eine Arbeitshilfe für Jugendarbeit, Jugendhilfe und Schule
(Broschüre, DIN A4,80 Seiten)

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GrenzverletzungenGrenzverletzungen. Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen
(Broschüre, DIN A4,108 Seiten)

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grenzgebiete_informationenGrenzgebiete. Informationen für Eltern und pädagogische Fachkräfte
(Flyer, 12  Seiten)

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10_Gruende_Jugendliche_Sex10 Gründe mit Jugendlichen über Sex zu sprechen.

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2012-1_KJug_TitelblattAndrea Buskotte
»GRENZGEBIETE«: Theater und Fortbildungen gegen sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen

» Download (kostenlos)

Informationen für Jugendliche

Grenzen erkennen – Grenzen setzen

Julia kontrolliert die Chats auf Nicos Smartphone. Tobias macht eine Riesenszene, weil Kim ohne ihn zur Party gegangen ist. Anna will eigentlich keinen Sex, aber nachdem Ben sie betrunken gemacht hat, gibt sie auf und macht mit.

Bei vielen alltäglichen Konflikten in Beziehungen lässt sich nur schwer bestimmen, an welchem Punkt Gewalt im Spiel ist. Wer verletzt Grenzen, wer ist übergriffig oder gewalttätig? Welche Verhaltensweisen sind noch akzeptabel – und wo ist ein Eingreifen erforderlich?

Die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (LJS) hat mit der Hochschule Fulda Online-Informationen für Jugendliche zu diesen Fragen entwickelt. Unter www.was-geht-zu-weit.de finden Mädchen und Jungen Beispiele aus dem Alltag, Hinweise für den Umgang mit Grenzverletzungen und Informationen zu Fachberatungsstellen.

www.was-geht-zu-weit.de

Kontakt

LJS-LogoLandesstelle Jugendschutz Niedersachsen
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