Grenzen erkennen – Grenzen setzen

GRENZGEBIETE ist ein Informations- und Fortbildungsangebot für pädagogische Fachkräfte zum Thema „sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen“.

Die Landesstelle Jugendschutz Niederschsen (LJS) bietet Fachtagungen, Seminare und Fortbildungen vor Ort an. Ziel ist es, Jungen und Mädchen ab 13 Jahren das Erkennen und Benennen von sexuellen Grenzverletzungen zu erleichtern.

Das Projekt Grenzgebiete

Julia kontrolliert die Chats auf Nicos Smartphone. Tobias macht eine Riesenszene, weil Kim ohne ihn zur Party gegangen ist. Anna will eigentlich nicht mit Ben schlafen, aber nachdem er sie betrunken gemacht hat, gibt sie auf und macht mit.

Bei vielen alltäglichen Konflikten in Beziehungen lässt sich kaum bestimmen, an welchem Punkt Gewalt im Spiel ist. Wer verletzt Grenzen, wer ist übergriffig – und wer gewalttätig? Welche Verhaltensweisen sind noch akzeptabel – und wo ist ein Eingreifen erforderlich?

Pädagogischen Fachkräften fallen Antworten auf diese Fragen manchmal genauso schwer wie den betroffenen Jugendlichen selbst. Das Projekt Grenzgebiete fördert das Bewusstsein für die eigenen Grenzen bei Mädchen und Jungen und unterstützt Fachkräfte bei der präventiven Arbeit mit Jugendlichen.

Fortbildungsreihe: Qualifizierung für Gewaltprävention 2016

Die eigenen Grenzen kennen, sie selbstbewusst verteidigen und die Grenzen anderer respektieren – vielen Mädchen und Jungen fällt das schwer. Sie brauchen Lerngelegenheiten und Vorbilder für die Auseinandersetzung mit diesem Thema. Die damit zusammenhängenden Aufgaben und Fragen werden in der Fortbildungsreihe „GRENZGEBIETE – Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen“ bearbeitet.

Die Fortbildung findet in zwei Blöcken statt (29.-30. August / 7.-8. November) und richtet sich an pädagogische Fachkräfte in Jugendarbeit, Jugendbildung und Schule.

Informationen zur Fortbildung finden Sie hier:
Einladung Qualifizierung für Gewaltprävention 2016 (PDF)

Jugendliche sind im Vergleich zu anderen Altersgruppen am häufigsten von sexuellen Übergriffen betroffen. Die Auseinandersetzung mit den Hintergründen und Folgen von Grenzverletzungen ist deshalb ein wichtiges Thema für alle Institutionen, die mit Jugendlichen arbeiten.

Die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen bietet Inhouse-Fortbildungen für Fachkräfte vor Ort an. Themenschwerpunkte sind z.B. die Hintergründe und Folgen von Grenzverletzungen, sexuelle Selbstbestimmung und Strategien, um mit Jugendlichen zu dem Thema ins Gespräch zu kommen.

Mehr Infomationen dazu finden Sie hier.

frederik_boogFrederik Boog
Dipl. Pädagoge

Arbeitsschwerpunkte: Prävention von sexualisierter Gewalt, Präventionsstrukturen in der Jugendverbandsarbeit, Teamentwicklung, Erlebnispädagogik , Moderation & Training, Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen.


christine_eichholzChristine Eichholz
Freiberufliche Theaterpädagogin, Schauspielerin und Trainerin

Arbeitsschwerpunkte: Gewaltprävention, Präventionsarbeit gegen sexuellen Missbrauch, Cybermobbing, rechtsextremistische Gewalt, Körpersprachetrainings, Persönlichkeitsentwicklung, Improvisationstheater.


Petra Furmanek
Dipl. Sozialpädagogin / -arbeiterin, Systemische Beraterin

Arbeitsschwerpunkte: Kinder- und Jugendschutz, Einschätzung Kindeswohlgefährdung, Krisenintervention, sexuelle Gewalt, häusliche Gewalt, Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.


team_dummyAntonius Geers
Dipl. Sozialarbeiter/ -pädagoge, Sexualpädagoge
Weiterbildung systemischer Berater 2015

Arbeitsschwerpunkte: Sexualpädagogik mit allen Altersgruppen, Beratung von Männern und (werdenden) Vätern, Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung. Fortbildungen für Fachkräfte zu sexueller Bildung / Sexualpädagogik.


team_dummyHeidemarie Glaser


andrea_hanheideAndrea Hanheide
Freiberufliche Theaterpädagogin, Schauspiel und Coaching

Arbeitsschwerpunkte: Präventionsarbeit zu den Themen sexueller Missbrauch, Gewalt, Sucht und Cybermobbing. Coaching im Bereich Persönlichkeitsentwicklung.


Tanja Opitz
Referentin für Sexualpädagogik bei der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen
Magisterabschluss in Germanistik und Erziehungswissenschaften

Arbeitsschwerpunkte: Präventionsprojekte mit Mädchen und Jungen zu Medien- und Sexualität, Pornografie und Jugendsexualität, sexuelle Vielfalt, Aidsprävention


karin_schlueterKarin Schlüter
Diplom -Sozialpädagogin, Familientherapeutin

Arbeitsschwerpunkte: Fortbildungen für Fachkräfte zu sexueller Bildung / Sexualpädagogik. Prävention von sexualisierter Gewalt, Paar und Sexualberatung, Schwangeren und Schwangerschaftskonfliktberatung.


alp_turanAlp Turan
Dipl. Sozialarbeiter, Systemischer Berater, Master of Social Management

Arbeitsschwerpunkte: Prävention gegen sexuelle Gewalt, Kommunikations- und Konflikttraining für Kinder und Jugendliche, Prozessbegleitung in Institutionen

 

 

eintritt_ins_glueck

Von 2011 bis 2013 hat die Landesstelle Jugendschutz mit der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück (tpw) an über 100 Orten in Niedersachen ein Präventionsprojekt für Jugendliche durchgeführt. Im Zentrum stand das Theaterstück „EinTritt ins Glück“, das an verschiedenen Schulen in Niedersachsen aufgeführt und bearbeitet wurde.

Ergänzend dazu fanden Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte an den Projektstandorten statt. Hier wurden neben Hintergrundinformationen und Handlungsperspektiven auch Methoden für die Arbeit zum Thema vermittelt.

>> Projektbericht (PDF) – folgt in Kürze

>> Theaterprogramm: “EinTritt in Glück”

>> Hanna Kiper: Zwischen Selbstbestimmung, Demütigung und Scham (PDF)
Vortrag bei der Auftaktveranstaltung des Projekts GRENZGEBIETE, Mai 2011

>> Interview mit Anna Pallas (PDF)

Informationen zum Thema

Viele Mädchen und Jungen machen unangenehme Erfahrungen mit anderen Jugendlichen, mit demütigenden Bemerkungen, obszönen Textnachrichten, Grapschen, manchmal sogar mit Nötigungen und Vergewaltigungen. Übergriffe geschehen am häufigsten im Rahmen von Bekanntschaften und Beziehungen, aber auch in der Schule, im Sportverein oder im Ferienlager kann es zu sexuellen Übergriffen kommen.

Oft sind die Grenzen zwischen harmlosem Spaß und versehentlicher oder absichtsvoller Grenzüberschreitung schwer zu erkennen  –  und deshalb schwer zu verteidigen.

Sexuelle Grenzüberschreitungen und Gewalt in Liebesbeziehungen und Dates sind keine Ausnahme. Nur wenige Jugendliche wenden sich nach derartigen Erlebnissen an Erwachsene.

  • Nach einer repräsentativen Befragung von Jugendlichen in der Schweiz haben ca. 15 % der befragten Schülerinnen und Schüler schon einmal sexuelle Übergriffe mit Körperkontakt erlebt.  Mädchen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Jungen. Wenn die Betroffenen über die Vorfälle reden, ziehen sie gleichaltrige Freunde oder Familienmitglieder ins Vertrauen. An Beratungsstellen wenden sich die wenigsten.
    Link zur Studie:
    www.optimusstudy.org/fileadmin/user_upload/documents/Booklet_Schweiz/Optimus_Studie_Broschuere_2012_d.pdf
  • Ein Forschungsprojekt an der Hochschule Fulda im Jahr 2012/2013 mit 462 Schülerinnen und Schülern hat gezeigt, dass zwei Drittel der 14- bis 17-Jährigen, die Beziehungserfahrungen hatten, mindestens einmal grenzverletzendes Verhalten und Übergriffe durch einen Partner oder eine Partnerin erlebt haben: Etwa drei Viertel der betroffenen Mädchen und ungefähr die Hälfte der betroffenen Jungen gaben an, dass Grenzverletzungen und Übergriffe sich negativ auf ihr Befinden ausgewirkt haben. Sie berichteten über Lernschwierigkeiten, verändertes Ess- und Trinkverhalten, sozialen Rückzug oder Ängste. Hilfe würden sich Jugendliche auch dieser Befragung zufolge eher bei Freundinnen und Freunden holen als bei Eltern oder Geschwistern. Professionelle Beratungseinrichtungen werden selten als Unterstützungsoption genannt.
    www.fh-fulda.de/fileadmin/Fachbereich_PG/Forschung___Praxis/TeDaVi_factsheet_fin.pdf

In der Präventionsarbeit sollten die Erkenntnisse aus der Forschung eine wichtige Rolle spielen:

  • Sexuelle Belästigungen und Übergriffe geschehen bei vielen Beziehungen und Dates unter Jugendlichen.
  • In vielen Fällen gehen die Übergriffe von (männlichen) Freunden und Bekannten aus.
  • Die meisten betroffenen Jugendlichen verschweigen die Übergriffe.
  • Für diejenigen, die sich jemandem anvertrauen, sind vor allem Gleichaltrige die Ansprechpartner.

Cliquen, Flirts und Dates, erste Beziehungserfahrungen und sexuelle Kontakte sind für Mädchen und Jungen prägend. Sie stellen eine wichtige Ressource für die Identität und das Selbstwertgefühl dar. Wenn Jugendliche sich in neuen Rollen und Situationen erleben, führt dies auch zu einer Auseinandersetzung mit ihren Grenzen – und den Grenzen anderer. Fehleinschätzungen und Missverständnisse, versehentliche oder vorsätzliche Grenzüberschreitungen sind ein Teil dieses Prozesses der Selbsterprobung.

Wenn Jugendliche unsicher im Hinblick auf die Wahrnehmung und Einordnung von Grenzverletzungen sind, brauchen sie Orientierungshilfen. Erwachsene, die Normen zu Sexualität und Gewaltfreiheit verdeutlichen und Grenzen markieren, können hier eine wichtige Rolle spielen. In der Präventionsarbeit mit Jugendlichen geht es zuerst darum, eine  Balance zu finden zwischen der Akzeptanz von alterstypischem (Risiko-)Verhalten und dem Schutz vor Verletzungen.

Die Fortbildungsreihe „Grenzgebiete“ unterstützt Fachkräfte in diesem Prozess.

Wenn Jugendliche nicht über sexuelle Übergriffe sprechen, haben sie ihre Gründe: Sie wollen sich nicht als „Opfer“ outen, sie befürchten Druck und Aggressionen seitens der Täter oder den Ausschluss aus der Clique. Viele sind nicht sicher, wie Erwachsene reagieren und haben Angst vor Sanktionen.

Doch wer Gewalterfahrungen verschweigt, erlebt keine Entlastung von Scham- und Schuldgefühlen. Ddie Täter können sich zu weiteren Übergriffen ermuntert fühlen, und wenn es einmal zu sexueller Gewalt gekommen ist, steigt das Risiko für erneute Übergriffe.

Wenn Erwachsene von einem sexuellen Übergriff unter Jugendlichen erfahren, sollten sie:

  • Jugendliche ernstnehmen, wenn sie von dem Übergriff berichten;
  • erklären, dass die Verantwortung für Übergriffe beim Täter und nicht bei dem betroffenen Mädchen oder Jungen liegt;
  • nicht über den Kopf der Betroffenen hinweg entscheiden und handeln;
  • für Unterstützung  durch eine spezialisierte Beratungsstelle sorgen.

Materialien (der LJS)

GrenzverletzungenGrenzverletzungen. Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen
(Broschüre, DIN A4,108 Seiten)

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grenzgebiete_informationenGrenzgebiete. Informationen für Eltern und pädagogische Fachkräfte
(Flyer, 12  Seiten)

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10_Gruende_Jugendliche_Sex10 Gründe mit Jugendlichen über Sex zu sprechen.

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2012-1_KJug_TitelblattAndrea Buskotte
»GRENZGEBIETE«: Theater und Fortbildungen gegen sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen

>> Download (kostenlos)

Kontakt

LJS-LogoLandesstelle Jugendschutz Niedersachsen
Leisewitzstraße 26 · 30175 Hannover
Tel: 0511 – 85 87 88 / 85 30 61
info@jugendschutz-niedersachsen.de
www.jugendschutz-niedersachsen.de

Das Projekt wird gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

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