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Tätowieren und Piercen ist heute ein Massenphänomen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie schmücken ihren Körper mit mehr oder weniger kunstvollen Motiven, die symbo- lische Bedeutung und eine lange Tradition in verschiedenen Kulturen haben. Die Prozeduren sind schmerzhaft – egal ob Tattoo oder Piercing, werden aber mit Stolz und Freude ertragen. Dazu Nilz Böhme, 32 Jahre, Fotograf, der sich fast an seinem gesamten Körper hat tätowieren lassen: „Mein Körper ist mein Tagebuch, eine Art Fotoalbum, das nicht verloren gehen kann. Bis auf eines sind alle meiner fast 40 Tattoos Erinnerungen. Sie haben mit Menschen zu tun, die mir wichtig sind. Ich habe für jede der fünf Frauen, mit denen ich in den letzten zehn Jahren zusammen war, eine Tätowierung auf meinem Körper. Andere habe ich aus einem Erlebnis heraus machen lassen.. Ich habe drei Jahre im Rettungsdienst gearbeitet, hatte viel mit alten Menschen, Leben und Tod zu tun. Auf meinem linken Arm wird nur dieses Thema behandelt. Ich habe ein Herz und einen Totenkopf auf dem Unterarm und den Tod auf der Schulter – ein Bild aus dem mittelalterlichen Totentanz. Die Tattoos sind auch Erinnerungen, weil ich sie mir nur von jemandem stechen lasse, der mir nahe steht, zu dem ich einen Draht habe. Alle meine Tattoos sind speziell für mich entworfen worden. Ich will mit den Tätowierern über die krassen Gefühle reden, die dahinter stehen. Man vergisst so viel im Leben, ich werde immer wieder daran erinnert, auch an meine Fehler. Das war von Anfang an meine Motivation. Und ich finde natürlich auch, dass Tattoos meinen Körper verschönern. Den mochte ich vorher nie. Je mehr Tattoos man hat, desto mehr tut’s weh, sich ein neues stechen zu lassen. Wahrscheinlich, weil man sich die richtig schmerzhaften Stellen, wo direkt ein Knochen drunter ist, bis zum Schluss aufhebt. Dann muss man halt die Zähne zusammenbeißen. Und irgendwie kann der Schmerz auch befreiend sein. Ich verfluche den Schmerz von Außen und damit geht der innere Schmerz raus – über eine Frau zum Beispiel, die mich verletzt hat. Gesellschaftlich sind Tattoos mittlerweile kein Problem mehr. Man fällt natürlich trotzdem auf. Es stört mich auch nicht, wenn jemand neugierig ist, Fragen stellt. Mich nervt es nur, wenn die Leute glotzen. Dann glotz ich zurück, hab Spaß daran zu provozieren. Ich glaube nicht, dass ich meine Tattoos mal bereuen werde. Wenn ich alt bin, dann bin ich lieber faltig und bunt als bloß faltig.“ (Quelle: Zeit Nr.25 vom 9. Juni 2004)
Nicht alle, die diese Strapazen freiwillig auf sich nehmen, haben dafür so vielfältige und differenzierte Gründe wie Nilz Böhme. Deshalb ist es Aufgabe pädagogischer Fachkräfte in der Jugendhilfe und in der Schule und anderer Multiplikatoren und Multiplikatorinnen aus dem Gesundheits- und Bildungs- bereich sowie aus Jugendberatungsstellen, auf gesundheitliche Risiken, erforderliche hygienische Bedingungen und dauerhafte Folgen hinzuweisen. Mithilfe dieser Homepage der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen können Sie sich die notwendigen Informationen dazu holen.
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